{"id":186,"date":"2015-12-15T12:28:54","date_gmt":"2015-12-15T10:28:54","guid":{"rendered":"https:\/\/steenkamper.wordpress.com\/?page_id=186"},"modified":"2015-12-28T14:30:58","modified_gmt":"2015-12-28T13:30:58","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.steenkamper.de\/index.php\/geschichte\/","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Entstehung der Siedlung Steenkamp<\/strong><br \/>\nVon A. Klement, Leiter des Baub\u00fcros<br \/>\nOktober 1920<\/p>\n<p>Es ist nicht immer so gewesen, dass der Siedlungsgedanke in weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung lebendig war, wie es heute ist; im Jahre 1913 noch musste der Gemeinn\u00fctzige Bauverein Altona- Ottensen, um seine Siedler zu gewinnen, den Weg der Reklame beschreiten. Er gab Werbeschriften heraus und stellte in der Gartenausstellung Altona drei Einfamilienh\u00e4uschen in Reihenbau aus. Diese liegen noch heute an der Eggersallee in Altona und sind k\u00fcrzlich zur Linderung der Wohnungsnot wieder wohnlich hergerichtet worden.<br \/>\nDiese Musterh\u00e4user wurden die Grundlage f\u00fcr die 53 Einfamilienh\u00e4user der Emmichstra\u00dfe (heute Riemenschneider Stieg), die im Jahre 1914 gebaut und 1915 bezogen wurden.<br \/>\nSchon damals wurde der Plan gefasst und Vorbereitungen getroffen, das anliegende, etwa 20.000 qm gro\u00dfe st\u00e4dtische Gel\u00e4nde mit eine Siedlung zu bebauen. F\u00fcr damalige Zeiten ein gro\u00dfer Plan.<br \/>\nDer notvolle Weltkrieg, der Vernichter so vieler Werte, hier f\u00f6rderte er das Werk. Mit dem Kriegerheimst\u00e4ttengedanken weckte er den Heimst\u00e4ttengedanken \u00fcberhaupt. Beh\u00f6rden, die bisher k\u00fchl beiseite gestanden hatten, mussten f\u00fcr ihn eintreten, und weite Kreise der Bev\u00f6lkerung wurden von dem Wunsche nach einem eigenen Gartenheim ergriffen.<br \/>\nSo kam unter anderem eine Heimst\u00e4ttengr\u00fcndung s\u00e4mtlicher Angestelltenverb\u00e4nde zustande, die die gro\u00dfen Mittel der Reichsversicherungsanstalt f\u00fcr Angestellte hinter sich hat, die \u201eGemein- n\u00fctzige Aktiengesellschaft f\u00fcr Angestellten-Heimst\u00e4tten\u201c.<br \/>\nMit dieser zusammen ging die Stadt Altona an die Durchf\u00fchrung des gro\u00dfen Siedlungsplanes auf dem Steenkamp: Die \u201eGemeinn\u00fctzige Heimst\u00e4tten-Aktiengesellschaft Altona\u201c wurde gegr\u00fcndet.<br \/>\nDie Emmichstra\u00dfe wurde von der neuen Aktiengesellschaft \u00fcbernommen.<br \/>\nF\u00fcr die Bauausf\u00fchrung wurde ein Baub\u00fcro der Aktiengesellschaft ins Leben gerufen, das in engster Zusammenarbeit mit dem neugeschaffenen Siedlungsamte der Stadt Altona am 1. April 1919 in T\u00e4tigkeit trat.<br \/>\nSchleunigst wurde unter Hinzuziehung von 10 Altonaer Architekten die Planung durchgef\u00fchrt, wobei die in der Emmichstra\u00dfe gemachten Erfahrungen verwertet wurden. Man beschlo\u00df vor allem, die H\u00e4user ganz zu unterkellern und das Obergeschoss ganz auszubauen und gewann dadurch statt des kleinen Spitzbodens zugleich einen Boden, der den Einbau einer Kammer gestattete. F\u00fcr diese sollte jedes Heim ein gr\u00f6\u00dferes Fenster in einem Erker erhalten; weitere Erker und Ausbauten sollten vermieden werden. Statt der gro\u00dfen abk\u00fchlenden Fenster, die die Emmichstra\u00dfe ausweist, wurden kleinere warmhaltende Doppelfenster vorgesehen.<br \/>\nGleichzeitig wurde ein gro\u00dfz\u00fcgiges Bauprogramm aufgestellt, um die Arbeit so schnell und billig wie m\u00f6glich zu schaffen. Es ergaben sich folgende Grundlinien:<br \/>\n1. Schaffung eines eigenen Fuhrbetriebes.<br \/>\n2. Typisierung der verschiedenen Bauteile in m\u00f6glichst gro\u00dfem Umfange.<br \/>\n3. Sofortiger Einkauf s\u00e4mtlicher Materialien.<br \/>\n4. Schaffung eines Materiallagers mit Verwaltung am Bahnhof Bahrenfeld.<br \/>\n5. Vergebung der Arbeit in Losen an rund 150 Altonaer Unternehmer unter Zuhilfenahme der Innungen und Unternehmer-Organisationen.<br \/>\n6. Einrichtung einer Rechtsstelle beim Siedlungsamt, Begleichung aller Baurechnungen durch die\u00a0St\u00e4dtische Hauptkasse.<br \/>\n7. M\u00f6glichst gleichzeitige Inangriffnahme recht vieler H\u00e4uschen, um eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Anzahl\u00a0Unternehmer und Arbeiter dauernd zu besch\u00e4ftigen.<br \/>\n8. Sofortige Einrichtung eines Probehauses, um bei der Vergebung der Arbeiten die Ausf\u00fchrungsart den Handwerkern in natura zu zeigen und rechtzeitig praktische \u00c4nderungen und Anregungen durchzuf\u00fchren, um Massenfehler zu vermeiden.<br \/>\nHeute kann man sagen, dass die Grundlinien richtig waren. Will man sich die Verbilligung<br \/>\ndurch Massenerzeugung zunutze machen, so darf man nicht, wie in anderen Siedlungen im Deutschen Reiche anschnitts- und st\u00fcckweise bauen, sondern gleichzeitig so gro\u00df wie m\u00f6glich und so schnell wie m\u00f6glich. Denn je k\u00fcrzer die Bauzeit, desto stabilere Verh\u00e4ltnisse in Bau-und\u00a0Lohnkosten, desto niedrigere Bauunkosten. Auch die schnelle, gro\u00dfz\u00fcgige Materialbeschaffung wirkt erheblich verbilligend.<br \/>\nBis zum 1. Juni 1919 waren alle Vorbereitungen so weit gediehen, dass mit dem Bauen begonnen werden konnte. Die w\u00e4hrend der Kriegszeit in der St\u00e4dtischen M\u00fcllverbrennungsanstalt entstandene gro\u00dfe Schlackenhalde kam dem Unternehmen sehr zustatten. In Schlackenbeton wurden an vielen Stellen zugleich von 5 Betonfirmen die Keller ausgef\u00fchrt. Rund 10 Millionen Kilogramm Schlacke wurden verstampft. T\u00e4glich wurden 5 Keller fertig. Schon im Juli 1919 konnte mit dem Aufbau begonnen werden, welcher binnen Jahresfrist in der Hauptsache beendet war. An der Arbeit nahmen Teil: 25 Maurermeister, 17 Zimmermeister, 25 Tischlermeister, 2 Gipsermeister, 8 Schlossermeister, 23 Klempnermeister, 27 Malermeister, 13 Glasermeister, 14 Elektriker.<br \/>\nDie Unternehmer besch\u00e4ftigten im Durchschnitt dauern 500 bis 600 Arbeiter an der Baustelle.<br \/>\nIn der Siedlung Steenkamp kamen zur Ausf\u00fchrung: 82 Einfamilienh\u00e4user der Bauart 5, 28 der Hausart 10, 108 der Hausart 20, 78 der Hausart 30, 16 der Hausart 31, 19 der Hausart 32, 36 der Hausart 40, zusammen 367 Einfamilienh\u00e4user; in Mehrfamilienh\u00e4usern: 38 Wohnungen in Hausart 35, 54 Wohnungen in den Heimen, 19 Wohnungen in den Ladengeb\u00e4uden, Kaufhaus und Versammlungshaus, im ganzen 478 Wohnungen. Dazu 11 Verkaufsl\u00e4den, 1 Krug mit Versammlungssaal. Im ganzen sind 205.000 Kubikmeter Raum umbaut worden.<br \/>\nUrspr\u00fcnglich sind eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl der gr\u00f6\u00dften Hausarten 30 und 40 geplant gewesen. Sie mu\u00dften eingeschr\u00e4nkt, bzw. mehr kleinere H\u00e4user gebaut worden, weil durch die Teuerung sich die Baukosten vervielfachten. Im Frieden kostete 1 cbm umbauten Raumes 18 Mark. Im Fr\u00fchjahr 191, als die Siedlung geplant wurde, rechnete man mit 70-76 Mark, also dem Vierfachen. W\u00e4hrend der Bauzeit stiegen die Errichtungskosten bis auf das 11-13-fache. Zu dieser Preissteigerung trugen bei: die Arbeitsl\u00f6hne, die im Frieden pro Stunde 90 Pfg., im Fr\u00fchjahr 1919 2,40 Mark und heute 6,20 Mark machen, mit dem siebenfachen, die Baumaterialien aber mit dem 12 bis 20 fachen.<br \/>\nDie beim Hause liegenden G\u00e4rten sind nicht sehr gro\u00df geworden. Zum Ausgleich, und um gr\u00f6\u00dften Ertrag zu erzielen, ist alles Menschenm\u00f6gliche geschehen: der Mutterboden ist verteilt, gro\u00dfe Fl\u00e4chen sind umringt und Obstb\u00e4ume, Str\u00e4ucher und Spaliere nach M\u00f6glichkeit gepflanzt worden.<br \/>\nWer einen Blick \u00fcber die 5 Jahre stehenden G\u00e4rten der Emmichstra\u00dfe wirft, kann sich leicht vorstellen, wie in 5 bis 6 Jahren die G\u00e4rten in der Siedlung Steenkamp aussehen werden. Immer traulicher wird das Heim, immer ertragreicher der Garten. Von Jahr zu Jahr werden die erh\u00f6hten Sitzpl\u00e4tze an der Hinterseite der H\u00e4user gesch\u00fctzter, eingerahmt von bl\u00fchenden Hecken, beschattet von herrlichen Obstb\u00e4umen.<br \/>\nUnd so, wie die Natur die Siedlung sch\u00f6ner gestalten wird, so m\u00f6ge auch jeder Siedler an sich selbst aufbauen, sich veredeln, Gemeinschaftssinn pflegen und die Jugend zur Freude des Alters erziehen.<\/p>\n<p>Dieser Text stammt aus der Oktoberausgabe des STEENKAMPER 1920, Archiv der Heimst\u00e4ttervereinigung Steenkamp e.V.<br \/>\nAbschrift: M.Raabe. 01-2001<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entstehung der Siedlung Steenkamp Von A. Klement, Leiter des Baub\u00fcros Oktober 1920 Es ist nicht immer so gewesen, dass der Siedlungsgedanke in weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung lebendig war, wie&#8230; <\/p>\n<p><a class=\"teaser-more\" href=\"https:\/\/www.steenkamper.de\/index.php\/geschichte\/\">weiter lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":"","_tec_slr_enabled":"","_tec_slr_layout":""},"class_list":["post-186","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"jetpack_sharing_enabled":false,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P74Wuo-30","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":14074,"url":"https:\/\/www.steenkamper.de\/index.php\/festschrift-100-jahre-steenkampsiedlung\/","url_meta":{"origin":186,"position":0},"title":"Festschrift 100 Jahre Steenkampsiedlung","author":"Max","date":"07\/01\/2021","format":false,"excerpt":"Eine einzigartige Festschrift zum 100. 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