{"id":1085,"date":"2016-01-06T12:33:04","date_gmt":"2016-01-06T11:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.steenkamper.de\/?page_id=1085"},"modified":"2016-01-06T16:46:37","modified_gmt":"2016-01-06T15:46:37","slug":"hommage-an-steenkamp","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.steenkamper.de\/index.php\/hommage-an-steenkamp\/","title":{"rendered":"Hommage an Steenkamp"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;Hommage an Steenkamp&#8221;<br \/>\n<\/strong>aus dem Steenkamper Ausgaben 2\/2010,&nbsp;2\/2010 und&nbsp;2\/2011<br \/>\n<span style=\"line-height: 1.75em;\">von Erich Riegner<br \/>\n<\/span><span style=\"line-height: 1.75em;\">(aus: \u201eAuf Umwegen nach Altona\u201c)<\/span><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 14\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Kinder, mit denen ich spielte, kamen alle aus derselben Ecke, n\u00e4mlich aus Altona, genauer gesagt, Bahrenfeld, oder noch genauer: \u201eSteenkamp\u201c. Letzteres hei\u00dft auf Hochdeutsch \u201eSteinfeld\u201c bzw. \u201eSteinacker\u201c und war noch bis ins 19. Jahrhundert ein unbewohntes Gebiet im Westen Bahrenfelds.<\/p>\n<p>Bevor die Steenkampsiedlung kam &#8230;<\/p>\n<p>Dort, wo an der Nordgrenze der Steenkampsiedlung, an der M\u00f6llner Landstra\u00dfe, jetzt Notkestra\u00dfe, meine Grundschule stand, begann eine zum Luruper Wald f\u00fchrende gro\u00dfe Wiese, die damals den gelegentlichen Landungen kleiner Sportmaschinen diente, was f\u00fcr uns noch eine Sensation gewesen war. Im \u00dcbrigen weideten dort Schafe, lie\u00dfen Kinder ihre Drachen steigen, und hin und wieder \u00fcbte darauf ein militanter Spielmannszug seine Marschmusik ein. Gespannt habe ich dann den Trommlern und Pfeifern zugeh\u00f6rt und gestaunt, wie sie auf die markanten, mir jedoch unverst\u00e4ndlichen Befehle ihres Hauptmanns parierten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 15\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Wenn die Sonne ihre W\u00e4rme gerecht verteilt hatte, habe ich mich dort einfach hingelegt und in den Himmel geschaut, \u00fcber Gott und die Welt nachgedacht und mit offenen Augen getr\u00e4umt. Meine Blickrichtung \u00e4nderte sich wohl, wenn Libellen stracks auf mich zuschossen, um dann in der N\u00e4he ihre Kunstpfl\u00fcge zu veranstalten, gleich Hubschraubern, die es damals aber noch nicht gab. Die umher flatternden bunten Schmetterlinge st\u00f6rten sich nicht an meiner Gesellschaft, was durchaus auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie verursachten auch nicht solch ein lautes Summen wie die dicken Brummer, die sich vielleicht gerade von einem herumliegenden K\u00f6del gel\u00f6st hatten. Grash\u00fcpfer sprangen um mich herum und an mir hoch. So war ich voll in die Natur einbezogen.<\/p>\n<p>Wenn Wind aufkam, war Drachensteigen angesagt. Das wurde stets mit gro\u00dfer Vorfreude erwartet. Als mein erstes selbst gebasteltes Fluggestell mit 100 Meter Leine stilvoll aufgestiegen und angepflockt war, legte ich mich wieder auf den R\u00fccken und verfolgte stolz und hingebungsvoll mein Werk, dass sich nun bew\u00e4hren sollte. Zuweilen schwankte die Windst\u00e4rke so, dass ich eingreifen musste, aber manchmal war es auch m\u00f6glich, dem Himmel einen Gru\u00df zu senden. Dieses geschah mit einer gelochten Postkarte, die vom Wind am Band hochgedr\u00fcckt wurde. Das waren damals wohl die sch\u00f6nsten und sorglosesten Stunden meiner Kindheit. Jetzt spielen dort keine Jungs mehr, auch Schafe h\u00f6rt man nicht mehr bl\u00f6ken. Natur ist \u201eout\u201c! Stattdessen zieht \u201eDesy\u201c (Deutsches Elektronen-Synchroton) seine hoffnungsvollen Kreise. So oder so \u00e4hnlich hat sich die \u00fcbrige Welt jedoch ebenfalls ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Nach Westen hin h\u00f6rte unsere Welt am \u201eOsdorfer Born\u201c auf. In der hei\u00dfesten Sommerzeit zogen wir Kinder oft dorthin. Braungebrannt lief die Horde, zumeist barfu\u00df und nur mit einer Turn- oder Badehose bekleidet, am H\u00fcnengrab vorbei, entlang an reifen Kornfeldern bis hin zu dem kleinen Badesee. Der Born war f\u00fcr uns wie eine Oase. Um den idyllischen See herum standen etliche B\u00e4ume, deren Schatten wir gerne aufsuchten &#8230;<br \/>\nNicht weit s\u00fcdlich von uns floss die Elbe mit \u201eehrlicher Ebbe und Flut. \u201eEhrlich\u201c, weil wir das deutlich beobachten konnten. Der Weg dorthin f\u00fchrte gew\u00f6hnlich durch Othmarschen. Von Steenkamp gingen wir nat\u00fcrlich \u00f6fters an die Elbe bis nach \u00d6velg\u00f6nne.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Das Gebiet zwischen \u201eHimmelsleiter\u201c und \u201e\u00d6velg\u00f6nner Hohlweg\u201c hatte eine merkw\u00fcrdige Anzugskraft. Bei gutem Wetter badeten wir dort, bei schlechterem hielten wir Ausschau nach den gro\u00dfen Schiffen und suchten nach angeschwemmten Sch\u00e4tzen, wobei unserer kindlichen Fantasie keine Grenzen gesetzt waren. Gelegentlich spielten wir auch \u201eSeer\u00e4uber\u201c. Bei Letzterem ging es meist darum, wer \u201eSt\u00f6rtebeker\u201c sein durfte. Die Erwachsenen hatten uns nicht vollst\u00e4ndig informiert, insofern wurde der Freibeuter bei uns auch nicht enthauptet, wie einst am Grasbrook, sondern war unser Anf\u00fchrer. Bei aller Liebe zu den Attraktionen an der Peripherie der Steenkampsiedlung, zu denen nat\u00fcrlich auch der wunderbare Volkspark und das Schwimmstadion z\u00e4hlten, ein Gro\u00dfteil unserer unbeschwerten Jugend fand mitten im Ort statt. Die zahlreichen D\u00fcngerwege zwischen den gro\u00dfen G\u00e4rten der Siedlungsh\u00e4user boten viel Auslauf und Platz f\u00fcr kindliches Vergn\u00fcgen, ob \u201eVerstecken\u201c, \u201eIndianer und Trapper\u201c oder andere wilde Einfang- bzw. Kampfspiele. Diese wunderbaren, praktischen D\u00fcngerwege f\u00fchrten auch schnell zu den Nachbarskindern, zu den Freunden, wenn es darum ging, irgendetwas gemeinsam zu unternehmen. Das konnten bei gutem Wetter Ballspiele sein wie \u201eProbe\u201c an den R\u00fcckw\u00e4nden der am unteren Ende der G\u00e4rten gelegenen, kleinen Ger\u00e4teschuppen oder, wenn sich gen\u00fcgend Beteiligung ergab, Fu\u00dfball auf dem kleinen Bolzplatz bei dem dort immer noch stehenden Transformatorenhaus zwischen Grotenkamp und Emmichstra\u00dfe (jetzt: Riemenschneiderstieg). \u00dcberhaupt die Emmichstra\u00dfe, die wurde mit ihrer glatten Oberfl\u00e4che bevorzugt f\u00fcr Kreisel, Reifen und Rollschuhlaufen. Dagegen lie\u00df sich auf dem breiten Fu\u00dfsteig des Osdorfer Weges besonders gut \u201eTippel-Tappel\u201c veranstalten, aber auch Murmeln oder \u201eKaiser, K\u00f6nig, Bettelmann\u201c. Gegen\u00fcber, getrennt durch ein breites Kopfsteinpflaster, stand Baum an Baum. Keine Eiche, keine Kastanie war uns zu hoch, um nicht hinaufzuklettern. Dann sa\u00dfen wir oft stundenlang hoch oben in den Kronen, genossen das Schwanken der \u00c4ste im Wind und f\u00fchlten uns frei wie die V\u00f6gel. Von dort hatten wir nicht nur Aussicht in die Fenster unserer Reihenh\u00e4user, auf die Passanten des Radfahrweges unter uns, auf die gelegentlichen Pferdefuhrwerke oder selteneren Autos, sondern auch in Richtung S\u00fcden auf die zahlreichen Schreberg\u00e4rten, die sich unseren Blicken hinter einer hohen Hecke bis hin zum Flottbeker Weg verschlossen. Die Pforte zu diesem Gel\u00e4nde war gew\u00f6hnlich abgeschlossen, doch auch hier fand sich f\u00fcr uns immer eine L\u00fccke in der Hecke, wenn unsere kindliche Neugier \u00fcberwog. Auch zur Winterszeit bot sich uns jede Menge olympischer Kurzweil. Zugefrorene Gew\u00e4sser \u2013 ob der kleine Bach bei Gr\u00fcnewald, gleich neben der Baumschule, oder der inzwischen von der Autobahn A7 gr\u00f6\u00dftenteils verdr\u00e4ngte Bahrenfelder See \u2013 anhalten- der Frost generierte Letzteren zu einer einer Eislaufst\u00e4tte erster G\u00fcte.&nbsp;Dann wurden Rutschbahnen von beachtlicher L\u00e4nge angelegt und mit \u201eHackel die Glitsch!\u201c gings ab ins Vergn\u00fcgen. Die Fu\u00dfballgegner der vergangenen Saison fanden sich dort dort schnell und spielten Eishockey bis in die Dunkelheit. Schlittschuhe und ein zum Schl\u00e4ger umfunktionierter alter Regenschirm gen\u00fcgten meist als Ausr\u00fcstung. Die Schr\u00e4ge zum See hinunter galt indessen als beliebte Schlittenstrecke, ebenso wie die schneebedeckten Abfahrten im Volkspark.<\/p>\n<p>Liebe Leser, in diesem Jahr werde ich gl\u00fcckliche 90 und f\u00fchre das zum guten Teil auf die herrliche und gesunde Kindheit in Steenkamp zur\u00fcck, wo meine Eltern und ich von 1921 bis 1935 zu Hause gewesen waren, zuerst in der Ebertallee und sp\u00e4ter im Osdorfer Weg. Wer den vorangegangenen Text gelesen hat, wei\u00df inzwischen recht gut, was ich meine. Klaus Tonn-Bonin erw\u00e4hnte in der Ausgabe 1\/2011 seinen Opa Wilhelm T o n n . Das regte mich dazu an, diese Folge mit einem ehrenden Gedenken an diesen Pionier der Heimst\u00e4ttervereinigung zu beginnen. W i l helm Tonn kannte ich aus der Perspektive eines kleinen Jungen, der mit seinem Sohn Fritz gemeinsam die Schulbank dr\u00fcckte. Die Erinnerung an ihn ist eng verbunden mit den an Fr\u00f6hlichkeit kaum noch zu \u00fcbertreffenden Heimatfesten, den darin integrierten Kinder- und Sportveranstaltungen, deren Organisation ma\u00dfgeblich ihm oblag. Ich besitze noch eine Ehrenurkunde des Steenkamper Sportfestes von 1931, die mit den Unterschriften von Tonn, Matt- hiessen und Dollmann versehen ist. Ersterer war Wilhelm T o n n , auf jedem Kinder- bzw. Sportfestfest allgegenw\u00e4rtig. Die von ihm vorgenommene \u00dcberreichung des h\u00fcbsch gezeichneten Dokumentes fand auf der Vogelweide statt, verbunden mit einem Geschenk, das sich jedes Kind in der Reihenfolge des Sieges im Lindenkrug aussuchen konnte. Dort waren begehrenswerte Dinge wie Fotoapparat, Taschenuhr, Kinderb\u00fccher und allerlei Spielzeug aufgestellt. Ich kam auf diese Weise an meine erste Taschenuhr, damaliger Wert etwa 5 Reichsmark, vermutlich gestiftet von Uhrmacher Birke. Auf der Vogelweide war dann auch sonst noch allerhand los. Da standen Kletterstangen, und wir Jungs strapazierten daran unsere Muskeln. Auf einer besonders hohen Stange war ein Holzadler befestigt, der von den zumeist jungen M\u00e4nnern mit einer Armbrust st\u00fcckweise heruntergeschossen wurde. Der so ermittelte Sch\u00fctzenk\u00f6nig sa\u00df nachher beim Festumzug in einer blumengeschm\u00fcckten Pferdekutsche. Romantisch, und bei Gro\u00df und Klein sehr beliebt, waren ebenfalls die abendlichen Laternenumz\u00fcge, voran eine Musikkapelle. \u201eMeine Laterne ist so sch\u00f6n, man kann damit spazieren gehen &#8230;Laterne! &#8230; Laterne!\u201c Alle sangen die Lieder stimmungsvoll mit, auch die Fackeln tragenden Eltern, und \u2013 ganz wichtig \u2013 wir durften l\u00e4nger aufbleiben. Die ersten Kinobesuche meines jungen Lebens, etwa 1929\/31, galten den Lichtspielen im Lindenkrug (Steenkampsaal), wo \u00f6fters am Wochenende f\u00fcr die Kinder ein Stummfilm mit Klavierbegleitung geboten wurde. Verinnerlichtes, aber manchmal auch kreischendes Am\u00fcsement bei \u201eDick und Doof\u201c, \u201eTom Mix\u201c oder auch ein Lehrfilm \u00fcber andere Kulturen, das Ganze f\u00fcr 10 oder 20 Pfennig. Wilhelm Tonn stand zuweilen im Hintergrund und kommentierte oder erkl\u00e4rte uns Kindern die Zusammenh\u00e4nge. Unausl\u00f6schlich blieb mir die Szene im Ged\u00e4chtnis, in der f\u00fcrchterlich verdreckte Gestalten aufgetreten waren, und Wilhelm Tonn dazu kommentierte: \u201eSo werdet ihr auch mal aussehen, wenn ihr euch nicht wascht!\u201c Der Saal des Lindenkrugs war eine Allzweckeinrichtung f\u00fcr Veranstaltungen wie Tanz, Gymnastik, Kino und auch Wahlen. Hinter allem stand immer der emsige Vorstand der Heimst\u00e4ttervereinigung. Die Erinnerungen an die wunderbare Kindheit in Steenkamp bedeuten mir sehr viel.<br \/>\nHerzlichen Dank!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Hommage an Steenkamp&#8221; aus dem Steenkamper Ausgaben 2\/2010,&nbsp;2\/2010 und&nbsp;2\/2011 von Erich Riegner (aus: \u201eAuf Umwegen nach Altona\u201c) Die Kinder, mit denen ich spielte, kamen alle aus derselben Ecke, n\u00e4mlich aus&#8230; <\/p>\n<p><a class=\"teaser-more\" href=\"https:\/\/www.steenkamper.de\/index.php\/hommage-an-steenkamp\/\">weiter lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":"","_tec_slr_enabled":"","_tec_slr_layout":""},"class_list":["post-1085","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"jetpack_sharing_enabled":false,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P74Wuo-hv","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":14074,"url":"https:\/\/www.steenkamper.de\/index.php\/festschrift-100-jahre-steenkampsiedlung\/","url_meta":{"origin":1085,"position":0},"title":"Festschrift 100 Jahre Steenkampsiedlung","author":"Max","date":"07\/01\/2021","format":false,"excerpt":"Eine einzigartige Festschrift zum 100. 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